
Das Epitaph des Michael Meienburg mit Erasmus im Kreise der Reformatoren. Gemälde von Lucas Cranach d. J. (1515-1586) von 1558. Das Original wurde bei einem Bombenangriff 1945 verbrannt. Die Kopie von Robert Häusler hängt in St. Blasii in Nordhausen.
Das Thema des Bildes ist die Auferweckung des Lazarus durch Christus. Sie findet vor vielen Zuschauern in einem ummauerten Garten statt, einem Friedhof, in den ein turmbewehrtes Renaissanceportal führt. Die Mauer ist mit den symbolträchtigen Weinreben bepflanzt. Im Vordergrund kniet betend der Verstorbene mit seinen Frauen und Kindern. In der Ferne erblickt man eine Burg; dargestellt ist die Coburg. Erstaunlich und einmalig ist die Zusammenstellung der durch Portätähnlichkeit eindeutig indentifizierbaren Männer, die links der Bildmitte stehen und keinen Anteil am Geschehen nehmen, sondern ganz auf den redenden Luther konzentriert sind. Es sind von rechts Melanchthon, Cruciger, Jonas, Erasmus, Bugenhagen, drei halbverdeckte nicht Identifizierte und ganz inks der Wittenberger Hebraist Johannes Forster. Erasmus war nie im Kreis dieser Wittenberger Reformatoren. Gesehen hat Ihn von allen nur Jonas, der ihn 1519 in Löwen besuchte. Daß er so gemalt wurde, ist ein Programm, das vermutlich vom verstorbenen Meienburg gewünscht und von Melanchthon zumindest nicht mißbilligt wurde. Meienburg war nämlich viele Jahre mit Melanchthon befreundet. Aus Steinau an der Straße stammend und in Erfurt ausgebildet, kam er 1509 als Unterstadtschreiber nach Nordhausen und brachte es dort zum Syndikus und schließlich Bürgermeister dieser freien Reichsstadt. Im Schmalkaldischen Krieg bot er Melanchthon Asyl. Drei Jahre nach seinem Tod, im Jahr der Vollendung des Epitaphs, heiratete sein jüngster Sohn eine Enkelin Melanchthons. Das Bild wurde in Wittenberg gemalt. 1557 schrieb Melanchthon eine Rede auf Erasmus und ließ sie an der Universität Wittenberg vortragen. Der Streit mit Luther ist darin fast vergessen. Erasmus wurde zum Wegbereiter der Reformation. In diese Geistigkeit gehört das Meienburg-Epitaph. Es manifestiert die Versöhnung von Humanismus und Reformation.
| 20.02.2003 |