Täuferakten-Kommission
Quellen zur Geschichte der Täufer
Das Vorhaben:
In einer Zeit, in der es um die deutsche Wissenschaft finanziell denkbar schlecht bestellt war, entschloß sich der Verein für Reformationsgeschichte im Jahr 1919 unter seinem damaligen Präsidenten Hans von Schubert, die Edition der Quellen zur Geschichte der Täufer - bis zur Herausgabe des dritten Bandes hieß es noch der Wiedertäufer' - in Angriff zu nehmen, nachdem bereits die "Quellen für die Täuferbewegung in Thüringen von 1526-1584" (Beiträge zur neueren Geschichte Thüringens Band II, Jena 1913) von Paul Wappler gesammelt und veröffentlicht worden waren. Unter dem Dach des Vereins wurde eine eigene Kommission zur Herausgabe der Täuferakten gebildet, deren Arbeit vom Mennonititschen Geschichtsverein der deutschen Mennoniten durch D. Christian Hege und Christian Neff nachhaltig unterstützt wurde.
Es handelte sich um ein weitgespanntes Programm: Aufnehmen wollte man Dokumente zu allen Personen, "die nicht zum offiziellen Protestantismus oder Katholizismus gehören, aber irgendwie mit der täuferischen Bewegung in Verbindung" standen oder zu ihnen gehörten, wozu man auch Spiritualisten wie Kaspar von Schwenckfeldt rechnete. Man dachte daran, alle Akten, die sich mit den Täufern befassten, also "Prozessakten und Ratsprotokolle. Konsistorialakten, Mandate und Gutachten der Obrigkeiten, Visitationsakten und Bedenken der Fakultäten, Briefe, Ordnungen usw." zu berücksichtigen. Die zeitliche Grenze zog man zunächst bei 1560, war aber auch bereit, darüber hinauszugehen. Die Entscheidung darüber sollte den Bearbeitern überlassen bleiben.
Geplant wurde ein geographisch-territoriales Vorgehen. Schon im März 1919, als man im Verein für Reformationsgeschichte die Editionsgrundsätze festlegte, war eine ganze Reihe von Bearbeitern gewonnen worden. Bald befanden sich neben dem von Gustav Bossert bearbeiteten Herzogtum Württemberg Franken (Lic. Clauß), Elsaß (Dr. Adam), Baden und die Pfalz (Dr. Krebs), die Schweiz (Dr. v. Muralt), Thüringen-Sachsen (Dr. Tille), Bayern (Bände II - IV, Dr. Schornbaum, Lic. Clauß, Prof. Dr. Braun, Prof. Dr. Theobald, Pfarrer Turtur), Hohenlohe und die schwäbischen Reichsstädte (Pfarrer Gustav Bossert, später Eberhard Teufel), Schlesien (Dr. Wotschke), das niederrheinische Gebiet (Prof. Dr. Goeters), Tirol und Mähren (Prof. Dr. Loserth, Dr. Dedic, Dr. Friedmann, Dr. Lydia Müller, Prof. Dr. Loesche) in der Bearbeitung.
Der Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg bedeuteten auch für dieses wissenschaftliche Unternehmen einen tiefen Einschnitt. Zwar konnten noch einige Bände der Täuferakten erscheinen, aber das Programm selbst wurde erst 1948 auf Initiative des Mennonitischen Geschichtsvereins vom Verein für Reformationsgeschichte unter der Präsidentschaft von Heinrich Bornkamm erneut in Angriff genommen. Die Täuferaktenkommission nahm, unterstützt nicht nur von den deutschen Mennoniten durch Dr. Ernst Crous, sondern auch der amerikanischen Mennonite Historical Society durch Harold S. Bender ihre Arbeit erneut auf, und es konnte von den ursprünglichen und teilweise nachfolgenden Bearbeitern eine ganze Reihe von Bänden herausgebracht werden. Freilich erschienen die ursprünglich auch für diese Reihe vorgesehenen "Quellen zur Geschichte der Täufer in der Schweiz" seit 1952 gesondert im Hirzel Verlag Zürich, und für Hessen wurden die Täuferakten in dem Band Wiedertäuferakten 1527-1626, Urkundliche Quellen zur hessischen Reformationsgeschichte 4, Marburg 1951 (=Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Kurhessen und Waldeck 11) von Günther Franz herausgebracht.
Leider wurde in der Wiederaufbauphase der deutschen Wissenschaft und in den folgenden, für solche Unternehmungen durchaus günstigen Jahren keine eigene Forschungsstelle - etwa an einer der deutschen Akademien der Wissenschaften oder durch die deutsche Forschungsgemeinschaft - gegründet. Das läßt sich in der derzeitigen Situation, in der die Forschungsförderung in Deutschland der Fortsetzung und dem Neubeginn großer Editionsvorhaben ausgesprochen kritisch gegenübersteht, kaum nachholen. Außerdem sind die an den Universitäten hauptberuflich tätigen Wissenschaftler ebenso wie die beruflich anders orientierten Gelehrten heute kaum mehr in der Lage, eine solche - selbst territorial begrenzte - Aktenpublikation im Alleingang zu erstellen.
Der großangelegte Plan, in dem die verschiedenen, für die Täufer besonders interessanten Gebiete von verschiedenen Gelehrten zur Bearbeitung übernommen worden waren, konnte nur teilweise realisiert werden. Eingegrenzt auf den Zeitraum bis etwa 1560 sind für den Südwesten (Württemberg, Baden, Elsaß) sowie für Franken und Österreich die Täuferakten weitgehend ediert worden. Die Fortsetzung dieser Arbeiten wäre durchaus wünschenswert. Dabei ist in erster Linie an die süddeutschen Reichsstädte wie Nürnberg und Augsburg zu denken.
Inzwischen hat sich herausgestellt, daß zur Interpretation der Akten die Schriften der führenden Täufer unerläßlich sind. Von denen sind jedoch bisher nur sehr wenige publiziert worden. Insofern sind neben der fortzuführenden Aktenedition vor allem auch derartige Editionen zu fördern. Es ist bedauerlich, daß wir derzeit zwar über eine ganze Reihe von Schriften der führenden Täufer in englischer Übersetzung, nicht aber über die deutschsprachigen Originalfassungen, geschweige denn über kritische Editionen verfügen.
Die Täuferaktenkommission
wird versuchen, sich weiterhin beiden Aufgaben zu widmen, und das heißt
in erster Linie Bearbeiter und Editoren für die Akten und Schriften der
Täufer zu finden.
Die Kommission:
Derzeit setzt sich die Kommission des Vereins für Reformationsgeschichte zur Herausgabe der Akten zur Geschichte der Täufer folgendermaßen zusammen:
Bisher publizierte Bände:
| 16.09.2009 |